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Skandal um Kunstfälscher in Deutschland

In Deutschland wird zur Zeit einer der größten Kunstfälscher Skandale der Nachkriegszeit aufgeklärt. Der Krefelder Wolfgang Beltracchi, geborener Fischer, steht unter dringendem Verdacht, mindestens 44 vermutlich von ihm selbst hergestellte Malereien verkauft zu haben. Es handelt sich um Kunstfälschungen, die als Malereien von bekannten aber auch weniger berühmten Künstlern verkauft wurden. Den Malstil von Künstlern wie Max Pechstein, Heinrich Campendonk, Johannes Molzahn, Fernand Léger oder Max Ernst kopierte Beltracchi dabei so meisterhaft, dass selbst sehr erfahrene Kunst-Experten darauf hereinfielen. Auffällig war allerdings, dass die Werke ähnliche Rahmen besitzen.

Wolfgang Beltracchi arbeitete früher als Restaurator. Später versuchte er dann als Fälscher sein Glück. Über einen Berliner Bekannten aus der Kunst-Szene hatte Beltracchi sich angeblich Zugang zum Kunstmarkt verschafft. Er begann das Fälscher-Geschäft mit Werken, die überwiegend von dem Maler Johannes Molzahn stammen sollten. Den Bildern gab er dabei stets Namen, die er selbst frei erfunden hatte. Sogar die Witwe des Malers Molzahn kaufte ein Bild, das angeblich ihr Mann gemalt haben sollte. Und genau dieses Bild wurde 1988 bei einer Ausstellung des Lehmbruck-Museums in Duisburg gezeigt. Der Schwindel flog einige Jahre später auf, doch Beltracchi war damals nicht aufzufinden.

Wie gingen die Kunstfälscher vor?

Der Fälscher und seine Komplizen gaben bei den Verkäufen an, die Werke würden aus der “Sammlung Jägers” stammen. Werner Jägers war ein Kölner Unternehmer, der die Malereien angeblich von dem berühmten Düsseldorfer Kunsthändler Alfred Flechtheim erworben haben soll. Jägers war aber auch der Großvater von Helene Beltracchi, der Ehefrau des Beschuldigten, die in diesem Betrugsfall unter Mitverdacht steht. Ebenfalls unter Verdacht steht ihre Schwester Jeanette. In der Nazizeit habe der Unternehmer die Kunstwerke auf einem Anwesen in der Eifel versteckt. Dass Jägers gelebt hat, steht fest, Kunst hat er allerdings nie gesammelt. Im Jahr 2006 wurde bei der Kölner Kunsthandlung Lempertz das “Rote Bild mit Pferden” versteigert. Dieses Bild stammte aus dem Besitz Beltracchis und sollte eigentlich von Heinrich Campendonk stammen. Weil aber kein schriftliches Echtheits-Zertifikat vorlag, ließ der neue Besitzer das Gemälde begutachten. Es stellte sich dabei heraus, dass das Bild eine Farbe enthält, die in der Zeit, in der das Gemälde entstanden sein soll, noch nicht erfunden war. Weltweit tauchten nach Bekanntwerden dieses Vorfalls weitere Gemälde aus der “Jägers Sammlung” auf, einer Sammlung, die es nie gegeben hat.

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